Artaudia / Autopsy

Tomáš ProcházkaPeter Tilajčík

Artaudia / Autopsy

Schauspiel

Welche Rolle spielt das Kunstwerk in der heutigen Welt? Können wir die geistige, Schillersche Aufgabe des Theaters absorbieren? Oder ist das Theater als Sanktuarium oder Tempel nur noch Vergangenheit?

Neues Gebäude, Räumlichkeiten und Bühnen des SND
15. 6. 2018

Der ungewöhnliche Raum der unvollendeten Betriebsküche bewirtet eine neue Linie der abenteuerlichen Dramaturgie des Schauspiels des SND. Die Küche bietet Raum für experimentelle Dramaturgie und für Künstler an der Grenze des klassischen und modernen Theaters.

Antonin Artaud gehört zu den bedeutendsten und gleichzeitig bizarrsten Figuren der französischen Theateravantgarde. Obwohl man ihn bis zu einem gewissen Maße für den Vater des modernen Theaters und den Paten der performativen Kunst halten kann, haben seine Ideen die Grenzen des Papiers nie überschritten.

Das Theater und sein Doppelgänger, Korrespondenz, kurze prosaische Texte oder Gedichte hinterlassen eine klare Vorstellung von Artauds Theater – dem Theater der Grausamkeit. Das Theater soll den Zuschauer ohne Gnade in kleine Stücke reißen, ihn anschließend wieder zusammensetzten und als einen neuen Menschen in die Welt hinauslassen. Die Titelgrausamkeit wurde Gegenstand häufiger Desinterpretierung, ob in Form von extremem physischen Theater, oder übertriebener Expressivität. Aber was, wenn die Grausamkeit, nach der sich Artaud sehnte, in Wirklichkeit etwas Wunderschönes ist, etwas Geistiges und Kathartisches?

ARTAUDIA.AUTOPSY untersucht auf Grund von Artauds Werk den Hauptgedanken der Erschaffung eines neuen Menschen und anschließend seinen Eintritt in das neue Leben. Worin unterscheidet sich der Mensch, den wir vor uns sehen? Kann sich der Mensch innerhalb einer Minute ändern? Innerhalb einer Stunde? Zwei Stunden? Und wenn es so ist, wie man behauptet, inwiefern ist dann auch unsere Persönlichkeit relativ?

Die konzeptuelle Performance bindet direkt an das erfolgreiche Autorenprojekt KAFKA.DREAMING. oder wovon ich Träume, wenn ich davon träume, dass ich mich als Käfer in Kafka verwandle? an, in dem sich das Autorenduo ausgehend von Franz Kafkas Texten (insbesondere Brief an den Vater und Die Verwandlung) mit der Beziehung zu ihren eigenen Vätern und mit der Idee der „Vaterschaft“ als solchen beschäftigte.

Die Performance ARTAUDIA_AUTOPSY ist auf dem Prinzip der „kontinuellen Performance“ aufgebaut – jede Reprise beginnt dort, wo die vorherige aufgehört hat. Der Zuschauer sieht somit jedes Mal eine neue und einzigartige Form, die sich konstant weiterentwickelt, aber nie beendet wird, genau wie Artauds Werk einzigartig und nicht greifbar bleibt.

Besetzung: Peter Tilajčík, als Gast, Tomáš Procházka, als Gast
Konzept und Regie: Tomáš Procházka
Dramaturgie: Peter Tilajčík
Szenografie: Zuzana Hudáková, Ľudmila Bubánová
Musik: Nada El

Vorstellungsdauer: 50 Minuten ohne Pause

Die Inszenierung entstand dank der Förderung von o.z. 9múz.

Die Inszenierung ist für Besucher mit Atembeschwerden und für Kinder unter 15 Jahren, bzw. 18 Jahren nicht geeignet.

Die Küche – dieser ungewöhnliche – aber in vielerlei Hinsicht inspirierende Raum hat gewisse Beschränkungen. Der Eingang in die Küche wurde mit dem Sicherheitstechniker konsultiert. Der Zugang und Bewegung darin sind jedoch limitiert und deshalb ist es nicht möglich problemlosen Zugang für immobile oder Schwerbehinderte Zuschauer zu gewährleisten. Das künstlerische Gesamterlebnis von der Vorstellung wäre somit für diese Besucher beeinträchtigt, aus diesem Grund ist der Besuch der Vorstellung Artaudia/ Autopsy für sie nicht empfehlenswert.

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.